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Nicolae Moldoveanu

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Nicolae Moldoveanu press reviews

In Hochform

Sinfoniekonzert: Der Dirigent Moldoveanu und das Staatstheater-Orchester begeistern

DARMSTADT. 

Termin

Das Konzert wird heute (29.) um 20 Uhr im Großen Haus des Darmstädter Staatstheaters wiederholt. Um 19.15 Uhr gibt es eine Einführung im Theaterfoyer.




Die durch eine Erkrankung des Darmstädter Generalmusikdirektors Constantin Trinks bedingte Änderung im Programm des 1. Sinfoniekonzertes der neuen Saison 2011/2012 bescherte den Besuchern im Großen Haus des Darmstädter Staatstheaters gestern das Glück, mit Strawinskis „Petruschka“ und Tschaikowskis 6. Sinfonie zwei äußerst populäre Werke der Konzertliteratur zu hören.

Am Dirigentenpult stand Nicolae Moldoveanu, der bereits im Sommer 2009 in Darmstadt zu Gast war und der – wie beim Schlussapplaus zu verspüren war – beim Staatsorchester Darmstadt hohe Sympathiewerte besitzt. Für Strawinskis „Petruschka – Burleske Szenen in vier Bildern“, als Ballett in Paris 1911 uraufgeführt, wählte er die revidierte Fassung von 1946/47, eine Version, die den gewohnten Schluss mit der im Pianissimo verlöschenden Fanfare durch einen effektvollen Orchesterschlag ersetzt.
Das entspricht der Neigung des Dirigenten, der es versteht, die opernhaften Züge der schwelgerischen Instrumentation und die üppigen klangkoloristischen Reize dieser Musik wirkungsvoll auszuspielen. Nicolae Moldoveanu gelingt mit dem bestens aufgelegten Darmstädter Staatsorchester in der Tat eine beeindruckende, unmittelbar animierende und begeisternde Interpretation, getragen von einer geradezu umwerfenden Direktheit, geizend mit Farbwerten, dabei aber den verästelten musikalischen Abläufen Präsenz und Transparenz sichernd. Er pointiert die rhythmische Schärfe der „Petruschka“-Musik mit ihren gegeneinander gestellten Ausdrucksfeldern.
Bei aller Subtilität in den lyrischen Passagen gehören zu seinem schlagtechnischen Repertoire auch Handkantenschläge und Fausthiebe, die obsessive Blechbläser-Aggressivität und hart gemeißelte Pauken- und Trommelwirbel evozieren. Für Iris Raths wunderschönes Flötensolo, das dem Auftritt des Puppenspielers gilt, genügt Moldoveanu freilich ein freundliches Kopfnicken. Das hellwach und agil reagierende Orchester wird in Erinnerung bleiben: in folkloristischem Feuer lodernde Violinen, brillante Klavier-Einwürfe Bartholomew Berzonskys, virtuoses Trompeten-Geschmetter von Manfred Bockschweiger und Klarinetten-Eskapaden von Michael Schmidt.
Auch Peter Tschaikowskis 6. Sinfonie, die sich der Komponist selbst als Requiem geschrieben hat, profitiert von Moldoveanus dirigentischem Engagement. Für die werkimmanente Drastik dieser Sinfonie zwischen Aufruhr und Verstummen hält sich der Dirigent die ganze Skala der Steigerungsmöglichkeiten offen. Tschaikowski stellt in seiner „Pathetique“ die traditionelle Satzfolge um: Depressive langsame Sätze stehen üblicherweise in der Werkmitte. Tschaikowskis Sechste schließt indes mit einem „Adagio lamentoso“, das auf das schmissige „Allegro molto vivace“ folgt.
Kein Wunder, dass sich nach der Orchesterrasanz dieses dritten Satzes spontaner Zwischenapplaus Bahn bricht: Dieses Feuer lässt an Eduard Hanslicks Einschätzung von 1895 denken, der Satz verliere „jedes Maß dafür, was ein normales Ohr an Lärm und Ausdehnung eines Stückes ertragen kann.“ Wenn auch die beiden ersten Sätze zuweilen den nötigen Feinschliff vermissen lassen, so entschädigt das Finale mit eindringlichen Momenten, vor allem im ergreifenden Abgesang, den das tiefe Blech, von einem mahnenden Gongschlag angestoßen, anstimmt und der in der resignierenden Schwärze der Kontrabässe verstummt.